Leben

Was der Unterricht in Schleswig-Holstein dringend braucht

Clara Richter26. Juli 20263 Min Lesezeit

Ich bin kein Bildungsforscher, aber als Schüler in Schleswig-Holstein kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten: Unsere Schulen benötigen dringend Veränderungen. Der Unterricht ist oft so gestaltet, dass er Schüler nicht wirklich anspricht. Hier sind acht Punkte, die uns die Schulzeit erträglicher – und vielleicht sogar erbaulicher – machen könnten.

Zunächst einmal müssen wir die Bürokratie reduzieren. Es ist kaum zu fassen, wie viel Zeit wir mit überflüssigen Formularen und Besprechungen verschwenden, die in keinem Verhältnis zu unserem Lernprozess stehen. Die Lehrer sind gefangen in einem endlosen Kreislauf von administrativer Arbeit, während wir darauf warten, dass sie uns etwas beibringen. Vielleicht könnte man ja den ein oder anderen Stuhl aus dem Lehrerzimmer für einen kreativen Unterrichtsnachmittag umfunktionieren.

Ein weiterer Punkt ist die Digitalisierung. Natürlich haben wir inzwischen die Technologie, um mit einem Klick auf Informationen zugreifen zu können, aber an vielen Schulen scheint es, als hätten die Computer die Schüler verschluckt. Lehrer, die selbst nicht mit den neuesten Tools vertraut sind, übertragen ihre Unsicherheiten auf uns. Wenn wir für die Zukunft gewappnet werden sollen, sollten die Schulen dringend in die technische Ausbildung der Lehrkräfte investieren, und nicht nur in die neuesten Beamer.

Und dann ist da die Frage nach der Relevanz des Lernstoffs. Es ist auffällig, dass so viele Fächer uns Inhalte beibringen, die in der „realen Welt“ keinen Platz haben. Warum müssen wir uns mit mathematischen Theoremen herumschlagen, während es uns an praktischen Lebenskompetenzen wie Steuern, Bewerbungsschreiben oder einfach nur dem Kochen eines gesunden Essens mangelt? Es wäre erfrischend, sich in der Schule mit Themen zu befassen, die uns im Alltag tatsächlich helfen. So könnten wir statt einer „Schuldenfalle“ in einer „Berufung“ landen.

Ein häufig gehörter Einwand ist, dass nicht alle Schüler gleich sind und unterschiedliche Lernstile haben. Das mag richtig sein. Doch genau deshalb sollte der Unterricht diversifiziert werden, um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Starren Lehrpläne nutzen niemandem. Wenn wir wirklich eine gerechte Ausbildung wollen, sollten wir die Flexibilität in den Unterricht einbringen, auch wenn das bedeutet, dass wir von der herkömmlichen Auslegung abweichen müssen.

Ein weiteres drängendes Anliegen ist die mentale Gesundheit von Schülern. Der Druck, den viele von uns empfinden, ist enorm. Zu oft wird vergessen, dass wir mehr sind als nur Noten. Ein Unterricht, der Raum für Diskussionen über psychische Gesundheit bietet, könnte uns helfen, bessere Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. Vielleicht könnte eine Stunde pro Woche, die dem Thema gewidmet ist, nicht nur helfen, das Stigma zu brechen, sondern auch ein Gefühl der Gemeinschaft und Unterstützung fördern.

Die Förderung des kreativen Denkens ist ein weiterer Punkt, der oft unter dem Radar fliegt. Unterricht, der sich nur auf Fakten und Zahlen konzentriert, mag zwar dazu führen, dass wir Prüfungen bestehen, aber er verhindert auch, dass wir innovative Denkweisen entwickeln. Wir brauchen mehr Kunst, Musik und Fächer, die zum kreativen Ausdruck anregen. Schließlich sind wir die nächste Generation von Denkern und Machern – und diese Rolle sollten wir nicht nur im Matheunterricht finden müssen.

In einem weiteren Schritt sollten wir Lehrer mehr wertschätzen. Es ist kaum zu leugnen, dass gute Lehrer einen massiven Einfluss auf unsere Entwicklung haben. Leider werden sie oft unterbezahlt und nicht genug unterstützt. Eine Anerkennung für ihre harte Arbeit könnte nicht nur die Stimmung unter den Lehrern verbessern, sondern auch uns Schülern zugutekommen, indem sie motivierte und engagierte Lehrkräfte in die Klassenzimmer bringen.

Die Gestaltung der Schullandschaft in Schleswig-Holstein ist nicht nur eine Frage des Engagements, sondern auch des Mutes, Veränderungen herbeizuführen. Es reicht nicht, die Augen vor den Problemen zu verschließen, während wir mit unseren Anforderungen und Wünschen im Hintergrund der Schulpolitik verschwinden. Wenn Schüler die Möglichkeit hätten, aktiv an der Gestaltung ihres Unterrichts teilzunehmen, könnte dies nicht nur die Qualität des Lernens verbessern, sondern auch das so oft gescholtene „Schulsystem“ in ein inspirierendes Ausbildungsumfeld verwandeln.

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